„Soy Piña“, ein unvergessliches Carnevales in Cajamarca

Es ist der 23.02. 2020 und ich sitze nach den letzten eineinhalb sehr chaotischen Tagen in einem typisch peruanischen Wohnzimmer. Alles ist total kitschig und überall hängen Abbildungen von Jesus im goldenen Gewand.

Der Altar im peruanischen Wohnzimmer.

Der Kurztrip nach Cajamarca mit Jonas, um dort das berühmte Carneval zu erleben, stellt sich als wahres Abendteuer heraus. Von Anfang an beginnt der Trip sehr chaotisch. Mit nur 15 min Verspätung kommen wir in Trujillo am Treffpunkt an. Natürlich ist David der Organisator noch gar nicht anwesend. Als unser Fahrer später endlich kommt, fällt uns auf, dass auch unsere Organisation zu wünschen übrig lässt. Aufgrund von mangelnder Kommunikation dachten wir, dass wir die zwei Nächte in einem Van schlafen und haben daher nicht genug Geld für ein Hostel mitgenommen. Da wir unsere Mitreisenden Peruaner nicht wirklich kannten, wollten wir auch niemanden nach Geld fragen. Das wäre hier in Peru nämlich äußerst unhöflich gewesen. Unter dem Vorwand, dass wir wichtige Tabletten vergessen haben, bringen wir den Fahrer dazu noch einmal nach Huanchaco zu uns nach Hause zu fahren. Jonas und ich hatten schon ein sehr schlechtes Gewissen, aufgrund der Verspätung die wir dadurch verursacht haben. Aber darüber ärgert sich dann doch keiner. Stattdessen gehen wir in Huanchaco noch ganz entspannt etwas essen. Hier hetzt sich mal wieder keiner. Typisch Peru! Ca. drei Stunden später als geplant geht es dann endlich los. Zu viert gequetscht auf der Rücksitzbank fahren wir sieben Stunden Überland bis nach Cajamarca. Geschlafen haben wir aufgrund von Platzmangel und aufgrund der kurvigen Straßen die Anden hoch gar nicht. Um fünf Uhr morgens kommen wir endlich an. Der Plan ist noch an diesem frühen Morgen ein Hostel für die nächsten zwei Nächte zu finden. Was wir nicht wissen, dort zu Carneval spontan ein freies Zimmer zu finden ist unmöglich! Wie Maria und Joseph irren wir zwei Stunden im Dunklen durch die Stadt und finden kein einziges freies Zimmer mehr. Unser großes Glück ist, dass eine der mitreisenden Peruanerinnen (Corali), eine Tante in Cajamarca hat, die uns sehr liebevoll aufnimmt, uns mit Decken und Kissen versorgt und uns die restliche Nacht und auch die Darauffolgende bei sich schlafen lässt. In dieser Nacht habe ich zu schätzen gelernt ein Dach über dem Kopf und warmes Bett zum schlafen zu haben! Ich hatte in dieser Nacht wirklich Angst, ich muss, im zu dieser Zeit kalten Cajamarca, draußen auf einer Parkbank schlafen. Abgesehen davon, dass es sehr gefährlich gewesen wäre. An diesem Morgen könne wir also noch zweieinhalb Stunden schlafen. Das ist natürlich viel zu wenig aber genug um den kommenden Tag zu überstehen. Am Morgen bekommen wir ein typisches Frühstück mit Pan (Brot), Manjar Blanco (eine Zucker-Sahnecreme) einer Art Käse und Avena (ein Harfergetränk). Zusammen mit der ganzen Familie, inklusive den zwei kleinen Jungs sitzen wir am Tisch. Nach dem Frühstück gehe ich mit Jonas, Caroli und ihren Freunden Wandfarbe besorgen um im Treiben auf der Straße mitzuwirken. Die Tradition zu Carneval in dieser Stadt ist nämlich, alles was sich auf und an der Straße befindet mit Farbe oder Wasser zu bespritzen. Egal ob Mensch, Auto oder Hauswand. Es gibt keine Regeln und Ausnahmen. Wer seine Kleidung nicht voll mit Farbe haben möchte, geht an diesem Tag besser nicht vor die Haustür. Die Stimmung ist einzigartig ausgelassen. Die Leute singen, tanzen und trinken. In diesen Tagen verdoppelt sich die Einwohnerzahl der Stadt. Die Straßen sind voll mit Menschen, wortwörtlich ein buntes Treiben. Innerhalb weniger Minuten sind wir schon überall mit bunter Farbe beschmiert. Nirgends ist man sicher und nie weiß man aus welcher Ecke die nächste Wasserbombe oder der nächste Farbeimer angeflogen kommt.

Nachdem wir einige Zeit spazieren, kommen wir zu einem großen Festplatz. Ebenfalls voll mit Menschen. Dort muss ich leider eine sehr unschöne Seite des Trubels kennen lernen. In der Menschenmenge wird mir nämlich tatsächlich mein Handy geklaut. Ich hatte es in meiner verschlossen Jackentasche und habe auch immer wieder kontrolliert ob es noch da ist. Doch als plötzlich eine Gruppe von Männern auf mich zukommt und mir Farbe ins Gesicht schmiert, bin ich für einen kurzen Moment unaufmerksam. Es ist mir auf jeden Fall eine Lehre. Das nächste mal überlege ich mir, ob ich mein Handy auf solche Veranstaltungen mitnehme. Trotz alldem will ich mir diesen Tag nicht vermiesen lassen. Durch Zufall treffen wir auf eine Arbeitskollegin von Santo Toribio ( der Schule für Beeinträchtigte Kinder, in der ich arbeite). Zusammen mit ihr und ihrer ganzen Familie tanzen wir nochmal ausgelassen, werfen Wasserbomben und trinken Bier. Die Tradition ist es, dass jeder etwas Bier in das Glas geschenkt bekommt und dann alles gleich austrinken muss. Danach wird die Bierflasche und das Glas weitergegeben. Das ist überall in Peru so üblich. Am späten Nachmittag entscheide ich mich noch dazu wegen dem Handy eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei aufzugeben. Dabei sitzen wir allerdings einige Stunden komplett nass und voll mit Farbe in der Polizeiwache („Comisaria“). Die Erkältung der kommenden Tage ist zu diesem Zeitpunkt also schon garantiert!

Als wir abends endlich nach Hause kommen, habe ich nur noch ein Ziel: Meinen Körper und vor allem meine Haare von haufenweise bunter Wandfarbe zu befreien. Wie man sich vorstellen kann, ein durchaus schwierige Angelegenheit. Auch eine Woche später finde ich zu Hause immer wieder noch Farbreste in meinen Haaren:D

Endlich können wir nach einem langen Tag nach Hause gehen.

In der zweiten Nacht bekomme ich zumindest fünf Stunden Schlaf. Am Morgen gehen wir zum Plaza de Armas (großer Platz inmitten der Stadt) um dort den Festzug mit traditionellen Kostümen und Trachten zu sehen. Erneut ein sehr schöner farbenprächtiger Anblick. Um später aus dem ganzen Trubel herauszukommen legen wir uns auf die Wiese des Plazas, um ein kleines Nickerchen zu machen. Denn die Sonne scheint zur Mittagszeit ziemlich stark. Normalerweise ist das in verboten, doch an diesen Tagen wird einmal im Jahr eine Ausnahme gemacht. An der Seite eines unglaublich süßen Straßenhundes, schlafe ich aufgrund des akuten Schlafmangels auch sofort ein. Zum Schluss essen wir noch ein traditionelles Menü mit Ceviche (roher Fisch in Limettensaft eingelegt) und machen uns anschließend auf den Heimweg. Womit wir nicht rechnen, dass plötzlich der Fahrer des zweiten Vans ausfällt und wir zwei Stunden vergeblich nach einem Ersatzfahrer suchen. Die Stimmung ist im Keller, alle wollen einfach nur nach Hause und es ist keine Lösung in Aussicht und wir rechen schon damit, an diesem Tag gar nicht mehr nach Hause fahren zu können. Als Coralis Tante kurz vor knapp uns dann doch noch einen Fahrer organisiert atmen wir alle sehr erleichtert auf. Schon das zweite mal, dass uns diese Frau aus der Patsche hilft! Alle sind müde und erschöpft von den letzten 30 Stunden und freuen sich endlich nach Hause fahren zu können. Doch das Pech verfolgt mich in dieser Reise bis zum Ende. Für die Fahrt will ich mir in der nächsten Tienda (Kleiner Tante Emma-Laden) noch etwas zu Essen besorgen. Um die Straße zu überqueren warte ich am Straßenrand. Nur wenige Sekunden später bin ich wieder klatsch nass von Kopf bis Fuß. Nichts ist mehr trocken. Um die Straße zu überqueren warte ich nämlich für einen Moment am Straßenrand, als plötzlich ein Lader mit einer Gruppe von Jugendlichen auf der Ladefläche mit ca. 40 km/h an mir vorbei fährt und mir genau im richtigen Moment einen ganzen Eimer Wasser überschüttet. Mit einem gemischten Gefühl aus Verzweiflung und Fassungslosigkeit kann ich nur noch anfangen zu lachen. „Soy Piña“ (Ich bin Ananas). Das ist das Sprichwort, dass ich auf dieser Reise gut kennengelernt habe weil es in dieser Reise tatsächlich immer wieder auf mich zugetroffen hat.

Trotz alldem bereue ich diese Reise keines Wegs. Ich sehe sie als aufregendes Abenteuer, von dem ich noch lange erzählen kann. Besonders die Momente mit all den liebevollen und fürsorglichen Menschen wie der Tante von Corali bleiben mir in Erinnerung und machen alle Pech Momente winzig klein. Die ganze Reise stellt sich also mal wieder als unvergessliches und aufregendes Erlebnis heraus.

In der Mitte die Tante von Corali, unsere Helden der Reise.

Halbzeit in Lima

„El tiempo pasa volando“. Eine Redewendung im Spanischen. Es bedeutet die Zeit vergeht wie im Fluge. Nun bin ich schon über ein halbes Jahr in Peru und passend zur Halbzeit hatten wir unser Zwischenseminar in Chaclacayo, ungefähr eine Stunde von Lima entfernt. Dort sind wir auf andere Weltwärtsfreiwillige aus Peru, Bolivien, Ecuador und Panama getroffen und konnten unsere, oft ähnlichen Erfahrungen, austauschen. Das war sehr interessant. Außerdem hatten wir Zeit unser halbes Jahr des Freiwilligendienstes zu reflektieren. Das hat uns sehr gut gefallen, da wir uns unserer Arbeit noch einmal bewusster wurden. Außerdem hat uns das Seminar viel Energie und Motivation für den nächsten Abschnitt gegeben. Um diese Reise auszunutzen haben wir uns dafür entschieden, drei Tage vor und zwei Tage nach dem Seminar in Lima zu verbringen. Durch einen Freund aus Huanchaco haben wir schnell eine Unterkunft in Barranco, dem berühmten Künstlerviertel von Lima, gefunden. Lima ist die Hauptstadt von Peru. Und das zu recht mit ca 15 Mio Einwohnern. Diese Dimension ist für mich fast unvorstellbar. Von einem zum anderen Ende der Stadt dauert es mehrere Stunden mit dem Auto. Um alles zu sehen bräuchte man sehr viel Zeit. Wir hatten also nur Zeit einen Teil zu sehen. Einen Tag haben wir uns das historische Zentrum mit dem „Plaza de Armas“ und einigen Kathedralen angesehen. Der Plaza de Armas ist unglaublich beeindruckend mit den riesigen historischen Gebäuden rund herum. In diesem Teil der Stadt befinden sich auch die Regierungsgebäude Perus. Was man bei der Besichtigung des Zentrums auf keinen Fall auslassen sollte ist, die berühmten Churros zu probieren, dort soll es die aller besten der Welt geben. Dieses Gebäck wird mit einer süßen Creme gefüllt, in Zucker gewälzt und anschließend frittiert. Sehr lecker!!! Man sollte allerdings vorsichtig mit der heißen Creme sein, sonst verbrennt man sich noch den ganzen Mund. Ein weiteres Highlight war das Paragliding an der „Costa Verde“ entlang. Der Blick über das Meer mit seinen verschiedenen Farbverläufen ist ein wahres Kunstwerk der Natur. Und auch bei dem Blick über die komplette Stadt wird man sich erst richtig über die Dimensionen klar. Fast unvorstellbar, wie so viele Menschen Hauswand an Hauswand zusammen wohnen.

Das bekannteste und auch wohlhabendste Viertel Limas ist Miraflores mit der berühmten „Costa Verde“, dem schönsten Strandabschnitt der Stadt. Perfekt fürs Surfen lernen. Diesen Teil haben wir uns nun als offizielle Surfer natürlich nicht entgehen lassen. Allerdings sind wir zu dem Entschluss gekommen, das uns das Surfen in Huanchaco eindeutig besser gefällt. Es ist nicht zu vergleichen. Die Wellen sind meistens kleiner und dadurch, dass viele Surfschulen ihre Stände direkt nebeneinander aufbauen herrscht ein unglaublicher Konkurrenzkampf. Dies nimmt einem viel der entspannten “ Surfervibes“. Dennoch eine andere Erfahrung, die mich bereichert hat. Insgesamt ist Miraflores mit den vielen grünen Parks ein unglaublich schöner Ort an dem wir sehr viel Zeit verbracht haben. Den Sonnenuntergang im „Love Park“ oberhalb der „Costa Verde“ zu beobachten ist unglaublich beeindruckend. Der Ausblick auf das Meer ist riesig. Alles ist sehr modern und überall herrscht das rege Leben zwischen den unterschiedlichsten Menschen. Nicht nur äußerlich ist Miraflores modern, sondern auch die innere Einstellung der Menschen. Die Leute sind sehr tolerant. Zum Beispiel wenn es um Homosexualität geht. Die ist in den meisten Teilen Perus noch verpönt und wird bis jetzt nur schwer akzeptiert. Nach ca. zwei Wochen ging es dann schließlich auch für uns zurück. Damit unsere Reise auch bis zum Ende nicht langweilig wurde, haben wir natürlich, aufgrund des Verkehrs in Lima, fast unseren Bus zurück verpasst. Wie Verrückte sind wir mit Rucksäcken und einem Surfbrett in der Hand durch das riesige Busterminal gerannt und gerade noch rechtzeitig angekommen, als der Bus gerade dabei war seine Türen zu schließen um abzufahren. Erst als wir in den gemütlichen Bussitzen saßen, konnten wir uns wieder entspannen und uns auf unser kleines aber feines Huanchaco freuen!

Der Rückblick auf mein erstes halbes Jahr des Freiwilligendienstes

Gemeinsame Abende am Lagerfeuer in Chaclacyo
Am letzte Abend beim Grillen
Das Abschlussfoto
Paragliding über Lima
Der Ausblick vom Love Park über das Meer
Bei der Abreise noch mit einem Lächeln vor dem großen Stress

„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht ! „

In den letzten Wochen war bei Puente viel los. Im Dienste der Umwelt haben wir aufgrund der starken Waldbrände im Amazonas Regenwald, unteranderem auch in Teilen Perus, Bäume gepflanzt. Auch in den Unterrichtsstunden wurde das Thema Umwelt umfassend thematisiert. Auch hier macht sich der Klimawandel in den letzten Jahren immer stärker bemerkbar. Das Klima an der Küste von Peru ist normalerweise sehr trocken. Regnen tut es eigentlich fast nie. Doch in den letzen Jahren kommt es immer häufiger zu starken Regenfällen. Außerdem lassen die sommerlichen Temperaturen immer länger auf sich warten. Denn Menschen hier wird also auch immer klarer, dass etwas getan werden muss. Das größte Problem, wie auch in vielen anderen Teilen dieser Welt, ist der Plastikverbrauch und das mangelhafte Entsorgungssystem. Mülltrennung gibt es kaum, jeglicher Müll wird einfach irgendwo abgeladen. So entstehen in vielen Teilen der Stadt riesige Müllberge. Um ein Statement zu setzen, haben wir beschlossen in der nächsten Woche mit den Kindern bei „Puente“ Jutebeutel zu bemalen. Im Moment wird hier noch, besonders auf den Märkten, alles in dünnen Plastikbeuteln ausgegeben. Langsam aber sicher setzt sich das Umweltbewusstsein aber auch hier durch. Die „Panaderia“ („Bäckerei“), um die Ecke hat vor kurzem eingeführt, seine eigenen Brötchenbeutel mitzubringen. Eine Andere gibt ihre Brötchen ausschließlich in Papiertüten aus. Auch Strohhalme gibt es hier kaum. Größtenteils haben die Kinder bei „Puente“ dem Thema viel Interesse und Engagement entgegen gebracht. Besonders die Älteren Kindern haben beim Einpflanzen der Bäume begeistert mitgearbeitet. Mir ist natürlich bewusst, dass das alles nur kleine Schritte sind. Doch es geht ja schließlich auch darum, auf das Thema aufmerksam zu machen! Schließlich ist es genau diese junge Generation, die es in die Hand nehmen und Veränderung schaffen muss!

Der erste Baum- Der erste Schritt

Mancora- Der Sonne entgegen

Am Samstag den 08. September startete unser erster Wochenendtrip nach Mancora, einem beliebten Badeort in der Region Piura an der nordwestlichen Küste von Peru. Besonders in den Wintermonaten, aufgrund der angenehmen Temperaturen von ca. 25 Grad, kommen viele Leute um die Sonne zu genießen. Nach einem langen Tag bei Puente haben wir am späten Nachmittag noch schnell unsere Rucksäcke gepackt und uns etwas Proviant für die Fahrt besorgt. Um 20:30 Uhr brachte uns Louis, der Fahrer von Puente, zum Bus. Natürlich haben wir gleich das günstigste Busunternehmen gebucht und hatten schon Sorge, dass es gar nicht existiert. Denn kein Peruaner kannte dieses Busunternehmen. Auch aufgrund des ungewöhnlich günstigen Preises, für die 9 Stunden Nachtfahrt, waren wir misstrauisch. Doch zu unserem Glück existiert das Unternehmen und mit ca einer Stunde Verspätung ging es dann tatsächlich los.Trotz Allem war die Fahrt sehr angenehm. Die Sitze in den Reisebussen sind doppelt so breit und lassen sich sehr weit nach hinten stellen. Also konnten wir tatsächlich schlafen. Um sechs Uhr morgens wurde ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt. Der Blick aus dem Fenster überraschte mich erneut. Die Umgebung ähnelte einer Wüste. Dabei wurde mir erneut klar, welche unterschiedlichen Klimazonen Peru zu bieten hat. Im Hostel angekommen wurden wir von der Besitzerin sehr freundlich begrüßt. Das Hostel war ein kleines Paradies. Die Kokosnusspalmen, Hängematten, und Traumfänger luden sehr zur Entspannung ein. Anschließend haben wir uns den Morgen mit einem leckeren Waffel und Obstfrühstück am Strand, versüßt. Nachmittags war dann Entspannung am Meer angesagt. Zum strahlenden Sonnenschein hatten wir, dank dem starken Wind, die perfekten Wellen, jedoch den Sand am Ende überall:D Abends haben wir uns mit dem Mototaxi auf den Weg zu einem Restaurant gemacht, dass uns Nenita empfohlen hat, um einmal richtig frischen Fisch zu essen. Den lieben wir zum Glück nämlich alle. Obwohl die Peruaner im Alltag tatsächlich viel mehr Hühnchen als Fisch essen. „Pollo con Arroz“ (Hühnchen mit Reis) ist hier das Hauptessen. Die holprige Fahrt im Mototaxi war sehr abendteuerlich und bereitete uns bei den tiefen Schlaglöchern zu 4 auf ca. 2 Quadratmetern wackliger Sitzfläche sehr viel Freude;D Am Abend wurden wir dann im Hostelzimmer noch von einem Geko an der Wand überrascht. Vor allem auch von vielen Mücken, an die wir uns dank der Stiche, noch Tage danach sehr gut erinnert haben. Am nächsten Morgen haben wird uns schon früh auf den Weg gemacht. Auf dem Programm stand Wale-Watching und mit Schildkröten schwimmen. Wir wurden von einem kleinen Bus zu einem ebenfalls ehr kleinen Fischerhafen gebracht. Von dort aus ging es dann mit einem Motorboot und ca. 20 Peruanern raus aufs Meer. Tatsächlich waren wir die einzigen Europäer in der Reisegruppe. In der Hoffnung auf Wale („Ballenas“), auf der Durchreise zu treffen. Glücklicherweise wurden wir auch nicht enttäuscht. Das Gefühl plötzlich nur noch einige Meter von den Ozeangiganten entfernt zu sein, war einzigartig. Auf dem Boot herrschte in dieser Zeit Stille, alle waren wie ergriffen. Erst als wir uns auf den Weg zu den Schildkröten („Tortugas“) gemacht haben, stellte sich langsam wieder Reden ein. Auf dem weg sind wir dann noch einigen Pelikanen und Seelöwen begegnet. Auch das Schwimmen mit den Schildkröten werde ich so schnell nicht vergessen. Obwohl ich es auch als etwas unheimlich empfunden habe mit riesigen Schildkröten auf dem offenen Meer zu schwimmen. Besonders weil die Schildkröten alles andere als Abstand gehalten haben. Ein richtiger Gänsehautmoment, der allerdings auch von den frischen Temperaturen an einem Morgen ohne Sonne unterstützt wurde. Doch das war mir in diesem Moment egal! Nachmittags sind wir zum Abschluss zum zum Leuchtturm gelaufen. Der Berg am Stadtrand bietet einen einmaligen Ausblick auf das Meer und die Häuser. Den Sonnenuntergang sollte man von dort aus unbedingt gesehen haben! Um neun Uhr am Abend sind wir dann in unseren Nachtbus eingestiegen. Dieser war sogar noch bequemer als der erste. Allerdings haben wir für diesen auch mehr bezahlt. Am Morgen sind Henri und Ich dann gleich in den nächsten Bus, der uns an die Arbeit nach Santo Toribio brachte, gestiegen. Zwar waren wir etwas müde, doch den Schlaf haben wir schnell nachgeholt. Die Erlebnisse des Urlaubs bleiben für immer. Insgesamt ein gelungener Trip, der uns wieder neue Energie und Inspiration für die Arbeit mit den Kindern gebracht hat.

Unser kleines Hostel-Paradies
Der erste Blick aus dem Busfenster am Morgen
Der kleine Fischerhafen in Mancora

Die Flosse eines Buckelwales
Die Fahrt zu viert im Mototaxi
Annika, Paula und Johanna
Eine unglaublich bequeme Busfahrt

Die Peruaner und ihre Herzlichkeit

Eine Umarmung mit einem sanften Kuss auf die Wange. Das ist die typische Begrüßung der Peruaner. Dazu sagt man meistens „Hola, Como estas?“ (Hallo, wie gehts?). Eine Antwort wird allerdings nur selten erwartet. Man fragt lediglich aus Höflichkeit. Auch bei „Puente“ wird samstags jeder einzeln mit einr Umarmung begrüßt. Diese Begrüßung finde ich besonders wichtig, da sie zeigt, dass es keine Barriere zwischen den Menschen gibt. Jeder einzelne wird gewürdigt. Die Herzlichkeit innerhalb des Projektes schafft ein besonders familiäres Verhältnis. Auch bei „Santo Toribio“ gibt man sich ein „Chucale“ wenn jemand etwas besonders gut gemacht hat. Der „Chucale“ ist eine Art Abklatschen mit anschließendem Kuss auf die Stirn. Generell sind Peruaner im Alltag sehr höflich und vor allem aufmerksam. Ein respektvoller Umgang im Alltag ist das A und O ! Lediglich im Straßenverkehr wird dieser Grundsatz etwas missachtet;) Besonders alte Menschen und Mütter mit Kindern haben einen besonderen Status. Im Bus gibt es vorne extra Plätze für sie. Andre Menschen stehen sofort für sie auf . Zu Diskussion kommt es dabei nie. Ich selber habe eine Situation beobachtet, die mich in diesem Moment sehr beeindruckt hat. Ein alter Mann, mit schweren Einkäufen bepackt, war gerade dabei in den Bus einzusteigen. Eine junge Frau nahm ihm selbstverständlich sofort die Tasche ab. Der Mann war gerade dabei sich hinzusetzen, als der Bus schon ruckartig los führ. Als er gerade im Fallen war, tauchten von hinten plötzlich acht Hände auf um ihn zu stützen. Die Reaktionen der Menschen waren unglaublich! Auch die Gastfreundschaft lässt auf keinen Fall zu wünschen übrig. Schnell wird man zum Mittagessen ins Haus eingeladen. Es ist üblich, dass zur Mittagszeit alle Familienmitglieder von der Arbeit nach Hause kommen, um gemeinsam zu Essen. Heute wurden wir von unserer Übermieterin und “ Puentemitarbeiterin“ Nena und ihrem Mann Lucho in ihr Sommerstrandhaus direkt am Meer eingeladen. Ein sehr idyllischer Ort! Nena hat ein typisch peruanisches Gericht vorbereitet. Es heißt „Papa a la Huancaina“. Dies sind Kartoffeln mit Ei und einer sehr leckeren Soße aus Huancaina. Eine Mischung aus Paprika und Chilli. Im Gegenzug haben wir einen Nudelsalat und deutschen Hefekuchen mitgebracht. Wir hatten sehr viel Spaß. Gemeinsam haben wir spanische und deutsche Lieder gesungen und am traumhaften Strand vor der Haustür entspannt. Das Wasser und die wilden Wellen waren sehr erfrischend. Zum Baden ist es jetzt aber eigentlich noch etwas zu kalt. Als die Sonne dann unter gegangen ist, mussten wir leider gehen. Denn es gibt dort kein Strom und somit leider auch kein Licht. Besonders niedlich finde ich auch manche Wörter, die es im „Castellano“ gibt. „Castellano“ ist ein besonderes Spanisch, dass man in vielen Teilen Südamerikas spricht. Es ist üblich Wörter und Namen zu verniedlichen. Beim weiblichen wird einfach „Ita“ und beim männlichen „Ito“ an das Ende des Wortes an gehangen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Aus „Paula“ wird somit schnell mal „Paulita“ oder aus „Nena“, „Nenita“ und aus“Lucho“, „Luchito“ oder auch aus „un poco“ ( „ein kleines Bisschen“) “ un pocito“. Über Verspätung beschwert sich hier auch keiner. Eine Stunde später als vereinbart ist hier völlig legitim. Dabei kann ich aus Erfahrung sprechen. Auch in Deutschland war ich nicht immer pünktlich, aber an dieses Ausmaß an Verspätung muss selbst ich mich noch gewöhnen. Es sei denn man fügt bei der Verabredung die Laute “ en punto“ („pünktlich“) extra hinzu.

Paulita, Henry und Nenita
Auf dem Weg zum Strand

Ein Tagesausflug in die Kultur der“Moche“- Ein Volk Südamerikas, älter als die Inka.

Unseren ersten freien Sonntag haben wir gleich ausgenutzt um die „Huaca del Sol“ und die „Huaca de la Luna“ am Rande von Trujillo zu besichtigen. Dabei handelt es sich um Tempel der alten „Moche“ Kultur. Rundherum befand sich die Stadt, von der heute aber leider nicht mehr viel zu sehen ist. Die Volksgruppe entwickelte sich vom 1. bis zum 8. Jahundert im Norden Perus. Von einem Guide wurden wir durch die „Huaca de la Luna“ geführt. Es ist das einzige Bauwerk, dass betreten werden kann. Bei „Huaca del Sol“ sind lediglich die Außenmauern freigelegt, da aus Geldmangel die Ausgrabungen gestoppt wurden. Unglücklicherweise ist die Städte kein Unesco Weltkulturerbe. Die Unesco kooperiert nicht, da die äußere Umgebung zu verschmutzt ist und aus dem nebenan liegenden Ort oft laute Musik kommt. Ich finde es sehr schade, da die Überreste einer solch alten Kultur meiner Meinung nach auf jeden Fall bewahrt und weiter erforscht werden sollten. Wer weiß was sich in der „Huaca del Sol“ noch alles entdecken lässt! Die Tempel waren heilig für die „Moche“. Jede Generation hat ein neues Stockwerk gebaut, sodass die Bauwerke einer Pyramide ähneln. Die Wände sind komplett mit piktographischen Darstellungen ihrer Welt verziert. Besonders interessant ist auch die Totenkultur der „Moche“. Immer wieder kommt es zur Naturkatastrophe “ El Nino“ („Das Kind“), wobei es durch Starkregen zu großen Überschwemmungen kommt. Die „Moche“ waren davon überzeugt, ein Gott habe die Katastrophe aus Zorn ausgelöst. Um den Gott zu beruhigen und somit „El Nino“ zu stoppen, brachten sie menschliche Opfer. Die zwei besten Kämpfer mussten gegeneinander antreten. Der Verlierer wurde sofort umgebracht. Der Gewinner wurde prachtvoll geschmückt und anschließend wurden ihm starke Drogen verabreicht. Daraufhin wurde er vor der Öffentlichkeit geköpft. Den Leichnam lies man mehrere Wochen in einem speziellen Raum verwesen. Die heranschwirrenden Fliegen sollten die Seele des Menschen wieder befreien. Zum Schluss wurde der tote Körper mit wertvollen Grabbeigaben bestattet. Die Kultur der „Moche“ war für die damalige Zeit schon weit entwickelt. Ein Besuch der Ruinen ist sehr inspirierend und auf jeden Fall empfehlenswert! Am Ende der Tour ist es üblich dem Guide Trinkgeld zu geben, da der Verdienst, auch in vielen anderen Berufen Perus äußerst schlecht ist. Für eine Stunde Taxifahrt haben wir zum Beispiel umgerechnet nur ca. 6 Euro gezahlt.

Piktographische Darstellung eines Gottes der „Moche“.
Blick über die Überreste der Stadt und die „Huaca del Sol“.
Blick auf die einzelnen Stockwerke der „Huaca de la Luna“.

Hier beginnt meine Reise quer über den Atlantik bis nach Peru!

Am 06.07.2019 um 21:45 Uhr geht es endlich los. Nachdem ich mich am Flughafen, doch recht schnell von Freunden und Familie verabschiede, steige ich mit meinen Mitfreiwilligen Paula, Johanna und Henri, in den Flieger, um unseren Freiwilligendienst zu beginnen. Von Frankfurt geht es nach Sao Paulo, Lima und zum Schluss mit dem letzten Flieger nach Trujillo. Nach ca. 2 Tagen Reise sind wir heil froh ohne Zwischenfälle in Trujillo angekommen zu sein. Mit dem Auto fahren wir noch weiter nach Huanchaco, wo sich unsere Wohnung befindet. Huanchaco ist ein kleiner Surferort, der in den Sommermonaten von vielen Touristen besucht wird. Zu Hause wurden wir mit einem leckeren Abendessen sehr herzlich von Lisa und Jürgen Rauber, Nena der Direktorin von Puente und ihrem Mann Lucho empfangen. Lisa und Jürgen haben das Kinderhilfsprojekt Puente 2008 ins Leben gerufen. Als Freiwillige werden wir unter der Woche und samstags bei Puente mitarbeiten. Die Kinder kommen aus recht armen Familien und bekommen bei Puente die Chance auf einen Schulabschluss und anschließend einen Studienplatz. Samstags und unter der Woche nachmittags kommen die Kinder um Nachhilfe in Englisch und Mathe, Karate- oder Musikunterricht zu bekommen. Der Umgang mit den Kindern und auch den Mitarbeiter im Projekt untereinander ist unglaublich herzlich und liebevoll. Der erste Tag bei Puente beeindruckt uns alle. Ab der nächsten Woche werde ich auch bei meiner zweiten Arbeitsstelle, der Schule für beeinträchtigte Kinder „Santo Toribio“ mitarbeiten. Die vielen neuen Eindrücke die ich hier in den ersten drei Tagen gesammelt habe, lassen sich allerdings schon gar nicht mehr alle aufzählen. Es ist eine wahre Reizüberflutung, wenn man vorher noch nicht außerhalb von Europa unterwegs war. Das Leben und die Gesellschaft unterscheidet sich in so vielem vom Leben und der Mentalität in Deutschland. Schon allein die Bussfahrt nach Trujillo ist ein kleines Abenteuer. Grundsätzlich gibt es keine Bushaltestellen. Manhält die Busse an, indem man winkt und zum Aussteigen ruft man einfach „Baja“ („aussteigen“). Die Fahrt kostet in der Regel umgerechnet ca. 50 ct. Im Verkehr gibt es keine Regeln oder Straßenschilder. Jeder fährt hier wie er will. Es gilt das Motto: “ Gas geben, statt Bremsen und Entschlossenheit zeigen“. Während der Fahrt sollte man sich gut festhalten, denn die Straßen sind nicht besonders gut. Damit die Busse ab und an mal abbremsen müssen, gibt es sogenannte „Rumpamujes“ (Achsenbrecher). Das sind Erhöhungen, die auf der Straße angebracht sind. In der Stadt herrscht ein reges Treiben. Die Innenstadt ist ein einziger riesiger Markt. Es gibt ganze Straßen für Schuhe oder Musikinstrumente. Zwischendurch gibt es einfache Straßenimbisse. Bis jetzt habe ich mich noch nicht getraut dort etwas zu Essen, weil unsere europäischen Mägen angeblich nicht an das Essen gewöhnt sind. In der nächsten Zeit werde ich es trotzdem ausprobieren. In einem kleinen einfachen Restaurant haben wir allerdings schon typische peruanische Gerichte wie „Ceviche“ ausprobiert. Es ist roher Fisch mit Zwiebeln in Limettensaft eingelegt. Dazu isst man Yucawurzel, Süßkartoffel, Mais und eine scharfen Soße. Sehr lecker!!! In den Straßen ist alles sehr günstig, da die meisten Leute hier sehr arm sind. Die meisten Leute kaufen also auf den Märkten ein. Das Angebot an Obst und Gemüse ist riesig. Für Liebhaber von tropischen Früchten ein Paradies. Im Vergleich zu Deutschland gibt es hier an Getreide fast nur Reis und Quinoa. Getreideprodukte wie Brot oder Körnerbrötchen sucht man vergeblich. Wir haben dann ein Brot gekauft, dass von außen wie Körnerbrot aussieht, sich dann allerdings als Flopp entpuppt. An Fleisch wird meistens Hühnchen gegessen. Allerdings auch alles vom Huhn!! Man kann live zusehen, wie es zerlegt wird. Tatsächlich gibt es auch große Einkaufszentren, in denen alles viel mehr kostet. Daran wird besonders deutlich, wie weit die Schere zwischen Arm und Reich hier auseinander geht.

In der Innenstadt von Trujillo
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