Eine Umarmung mit einem sanften Kuss auf die Wange. Das ist die typische Begrüßung der Peruaner. Dazu sagt man meistens „Hola, Como estas?“ (Hallo, wie gehts?). Eine Antwort wird allerdings nur selten erwartet. Man fragt lediglich aus Höflichkeit. Auch bei „Puente“ wird samstags jeder einzeln mit einr Umarmung begrüßt. Diese Begrüßung finde ich besonders wichtig, da sie zeigt, dass es keine Barriere zwischen den Menschen gibt. Jeder einzelne wird gewürdigt. Die Herzlichkeit innerhalb des Projektes schafft ein besonders familiäres Verhältnis. Auch bei „Santo Toribio“ gibt man sich ein „Chucale“ wenn jemand etwas besonders gut gemacht hat. Der „Chucale“ ist eine Art Abklatschen mit anschließendem Kuss auf die Stirn. Generell sind Peruaner im Alltag sehr höflich und vor allem aufmerksam. Ein respektvoller Umgang im Alltag ist das A und O ! Lediglich im Straßenverkehr wird dieser Grundsatz etwas missachtet;) Besonders alte Menschen und Mütter mit Kindern haben einen besonderen Status. Im Bus gibt es vorne extra Plätze für sie. Andre Menschen stehen sofort für sie auf . Zu Diskussion kommt es dabei nie. Ich selber habe eine Situation beobachtet, die mich in diesem Moment sehr beeindruckt hat. Ein alter Mann, mit schweren Einkäufen bepackt, war gerade dabei in den Bus einzusteigen. Eine junge Frau nahm ihm selbstverständlich sofort die Tasche ab. Der Mann war gerade dabei sich hinzusetzen, als der Bus schon ruckartig los führ. Als er gerade im Fallen war, tauchten von hinten plötzlich acht Hände auf um ihn zu stützen. Die Reaktionen der Menschen waren unglaublich! Auch die Gastfreundschaft lässt auf keinen Fall zu wünschen übrig. Schnell wird man zum Mittagessen ins Haus eingeladen. Es ist üblich, dass zur Mittagszeit alle Familienmitglieder von der Arbeit nach Hause kommen, um gemeinsam zu Essen. Heute wurden wir von unserer Übermieterin und “ Puentemitarbeiterin“ Nena und ihrem Mann Lucho in ihr Sommerstrandhaus direkt am Meer eingeladen. Ein sehr idyllischer Ort! Nena hat ein typisch peruanisches Gericht vorbereitet. Es heißt „Papa a la Huancaina“. Dies sind Kartoffeln mit Ei und einer sehr leckeren Soße aus Huancaina. Eine Mischung aus Paprika und Chilli. Im Gegenzug haben wir einen Nudelsalat und deutschen Hefekuchen mitgebracht. Wir hatten sehr viel Spaß. Gemeinsam haben wir spanische und deutsche Lieder gesungen und am traumhaften Strand vor der Haustür entspannt. Das Wasser und die wilden Wellen waren sehr erfrischend. Zum Baden ist es jetzt aber eigentlich noch etwas zu kalt. Als die Sonne dann unter gegangen ist, mussten wir leider gehen. Denn es gibt dort kein Strom und somit leider auch kein Licht. Besonders niedlich finde ich auch manche Wörter, die es im „Castellano“ gibt. „Castellano“ ist ein besonderes Spanisch, dass man in vielen Teilen Südamerikas spricht. Es ist üblich Wörter und Namen zu verniedlichen. Beim weiblichen wird einfach „Ita“ und beim männlichen „Ito“ an das Ende des Wortes an gehangen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Aus „Paula“ wird somit schnell mal „Paulita“ oder aus „Nena“, „Nenita“ und aus“Lucho“, „Luchito“ oder auch aus „un poco“ ( „ein kleines Bisschen“) “ un pocito“. Über Verspätung beschwert sich hier auch keiner. Eine Stunde später als vereinbart ist hier völlig legitim. Dabei kann ich aus Erfahrung sprechen. Auch in Deutschland war ich nicht immer pünktlich, aber an dieses Ausmaß an Verspätung muss selbst ich mich noch gewöhnen. Es sei denn man fügt bei der Verabredung die Laute “ en punto“ („pünktlich“) extra hinzu.


